Corona und Städte

Krisen haben in Städten schon immer zu großen räumlichen und strukturellen Veränderungen geführt, sei es in der jetzigen Zeit oder in früheren Jahrhunderten.

Gerade Metropolregionen wie Berlin, London oder Rom mit einer hohen räumlichen Dichte und einer großen Mobilität der Bevölkerung sind von der aktuellen Covid-19-Pandemie besonders stark betroffen:

Die durchschnittliche Wohnfläche, die jeder Person zur Verfügung steht, ist je nach Land unterschiedlich, aber wenn man sich vorstellt, dass es in Indien 10 Quadratmeter und in Italien 31 sind, dann erscheint es schwer vorstellbar, wochenlang so beengt zu leben.

Während des Lockdowns im Frühjahr waren viele Naherholungsgebiete wie Stadtparks, Seen, aber auch Spielplätze und Sportanlagen gesperrt, mit der Folge, dass Wälder und freie Gebiete teilweise überfüllt waren. In Städten wie London oder New York tritt die soziale Ungleichheit auch anhand des Zugangs zu Naherholungsgebieten noch verschärfter auf, da Stadtparks und begrünte Stadtgebiete vor allem in privilegierten Wohngebieten liegen.

In den vergangenen 70 Jahren war eine Situation, wie sie jetzt fast weltweit vorliegt, kaum vorstellbar – räumliche Distanz und Isolation, Wegfall von Tourismus und gesellschaftlichen Aktivitäten. Dazu kommt, dass die Bekämpfung des Virus stark von räumlicher Distanz abhängt – einer Distanz, die in den meisten Großstädten nur schwer realisierbar ist, sei es in öffentlichen Verkehrsmitteln, in den Innenstädten oder in Naherholungsgebieten.

Deshalb muss man sich die Frage stellen, welche Lehren Stadtplaner, Politiker und Architekten Ende aus der Pandemieentwicklung für die Großstädte ziehen: Wie kann man eine Stadtinfrastruktur entwickeln, die die Gesundheit und das Wohlbefinden ihrer Bewohner steigert? Wie kann der Wunsch nach Erholungsraum, weniger Überhitzung und Dichte auch mit Blick auf die Auswirkungen des Klimawandels realisiert werden?

Auch wenn diese Fragen noch lange nicht alle beantwortet sind und die wissenschaftlichen Erkenntnisse für eine Verbesserung vieler Problemfelder der städtischen Dichte noch viel zu selten für neue Herangehensweisen bei Stadtentwicklung genutzt werden, scheint eines nach den vergangenen Monaten als sicher: Städte werden von Menschen für Menschen entwickelt und gebaut – was bedeutet, dass damit auch zuerst der Mensch mit seinen Bedürfnissen im Mittelpunkt stehen sollte und nicht nur Baukosten und Kommerzialisierung des öffentlichen Raumes.